Warum es das Projekt gibt

In einem gemeinsam genutzten Dropbox-Ordner sammeln sich über die Jahre Plotter-Dateien: selbst gezeichnete Motive, gekaufte Bundles, Schriftzüge. Zuletzt waren es knapp 2.000 Dateien in rund 480 Ordnern, überwiegend SVG. Im Windows-Explorer erkennt man an einem Dateinamen wie Bundle_10_final2.svg aber nicht, was dahintersteckt – und das Motiv vom letzten Frühling zu finden hieß, Ordner für Ordner zu öffnen.

Der Wunsch war einfach: alles auf einen Blick, mit Vorschau, und per Klick zur Datei.

Was die Galerie kann

Screenshot der Plotter-Galerie: Ordnerbaum links, Suche und Filter oben, Vorschau-Kacheln mit Dateiname, Ordnerpfad, Größe und Datum.

Ein Skript, eine Seite

Ein kleines Python-Skript durchsucht den Ordner und schreibt daraus eine einzelne Galerie.html. Gestartet wird es per Doppelklick auf eine .bat-Datei, danach öffnet sich die Galerie im Browser. Es läuft ohne Server und ohne Internet.

Vorschau, Suche, Filter

Kacheln mit einstellbarer Größe, ein Ordnerbaum mit Dateizahlen, Suche in Name und Pfad, Filter nach Dateityp und mehrere Sortierungen. Der Vorschau-Hintergrund lässt sich zwischen hell, grau und dunkel umschalten – sonst gehen weiße Plot-Linien unter.

Schriften als Textmuster

Für Schriftdateien (.otf, .ttf) lädt die Galerie die Schrift selbst und zeigt ein Textmuster („Aa Bb Cc 123“) in genau dieser Schrift. Das hilft beim Aussuchen für Schriftzüge, ohne jede Datei zu installieren oder zu öffnen.

Zur Datei, zum Ordner

Ein Klick auf das Bild öffnet die Datei. Zusätzlich gibt es an jeder Kachel und an jedem Ordner einen „Pfad“-Button, der den vollständigen Windows-Pfad kopiert – zum Einfügen in die Plotter-Software oder in die Adressleiste des Explorers.

Wo es schwierig wurde

Der Explorer lässt sich nicht aus dem Browser starten

Der Wunsch „Ordner per Klick im Explorer öffnen“ scheitert an der Browser-Sicherheit: Eine Webseite darf keine Programme starten. Der Kompromiss ist der Pfad-Button – ein Klick, dann einfügen.

Ein Ordner, zwei Windows-Konten

Der Ordner liegt bei beiden Nutzern unter einem anderen Benutzerprofil. Die Galerie verwendet deshalb relative Links, und das Skript findet den Dropbox-Ordner des jeweils angemeldeten Kontos selbst. Nicht jedes Programm ist für beide Konten da: Inkscape und Ghostscript sind für den ganzen Rechner installiert, Python gilt dagegen nur pro Konto.

Aufräumen statt alles anzeigen

Die Rohdaten enthielten viel, was in einer Galerie stört: Datenmüll vom Entpacken von ZIP-Archiven (__MACOSX-Ordner, ._…-Dateien), außerdem DXF-, ZIP-, TXT- und PDF-Dateien. Das Skript blendet sie aus. Musik, Dokumente, Verknüpfungen und Programmdateien (MP3, DOCX, LNK, BAT, PY …) liegen zwar auch im Ordner, gehören aber nicht zum Plotter-Material: Sie sind beim Öffnen ausgeblendet und lassen sich über einen eigenen Button einblenden. Von knapp 2.000 Dateien bleiben rund 1.000 sichtbar.

EPS und AI: Vorschau, die der Browser nicht kann

Browser zeigen SVG und Bilder, aber weder EPS noch Illustrator-Dateien (.ai). Die Vorschaubilder entstehen daher mit Inkscape, das für EPS zusätzlich Ghostscript braucht. Zwei Stolpersteine: Inkscape fand zunächst das ps2pdf-Werkzeug nicht, weil es in einem Ordner liegt, den der Installer nicht in den Suchpfad einträgt – das Skript ergänzt den Pfad jetzt selbst. Und jede Umwandlung dauert etwa 10 bis 15 Sekunden. Gelöst ist das mit vier parallelen Läufen und einem Zwischenspeicher: Die rund 50 vorhandenen EPS- und AI-Dateien wurden einmalig gerendert, danach kommen nur neue oder geänderte Dateien dazu.

Silhouette-Studio-Dateien: erst keine Lösung, dann doch

Das Format .studio3 ist proprietär und nicht dokumentiert. Zuerst ließ sich kein zuverlässiger, kostenloser und lokaler Konverter finden – auch eine naheliegende Inkscape-Erweiterung liest solche Dateien nicht. Online-Konverter kamen bewusst nicht in Frage, weil dafür die eigenen Dateien hochgeladen werden müssten. Die Dateien blieben deshalb zunächst eine einfache Typ-Kachel.

Die Lösung kam später aus einer Analyse von Beispieldateien: In jeder .studio3-Datei steckt ein Vorschaubild, wie Silhouette Studio es in seiner Bibliothek zeigt. Es lässt sich ohne das Programm herauslesen. Ein Stolperstein: Bei einigen Dateien liegt davor noch ein vom Nutzer eingefügtes Foto. Das richtige Bild erkennt man an einem Längenwert im Dateikopf; bei allen 108 Dateien des Ordners hat das gestimmt.

Die älteren .studio-Dateien enthalten kein Bild. Hier werden die Schnittlinien aus den Vektordaten nachgezeichnet. Das klappt bei den meisten Dateien gut, bei einzelnen sind die Kurven noch verzerrt – das Format ist nicht vollständig entschlüsselt, die Vorschau also eine Näherung. Ein paar Dateien in einem Graphtec-Format bleiben ganz ohne Bild.

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